Nachteile von Vibrams


Ein Freund hat in einer Diskussion übers Barfußlaufen gemeint, ich schreib immer nur über die schönen Seiten. Und ich solle doch mal einen ehrlichen Artikel über die schlechten Seiten der Fivefinger schreiben – mach ich doch gerne.

Nach mehr als einem Jahr intensiven Laufsport mit Fivefingers gibt es natürlich nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch ein paar Dinge die „schlechter“ als mit normalen Laufschuhen sind:

  • Waschen der Fivefingers
    Meine „alten, normalen“ Laufschuhe habe ich nach der Laufeinheit in die Ecke geschmissen und beim nächsten Training wieder benützt – das geht mit Vibrams nicht. Nachdem ich meist barfuß drinnen laufe, entwicklen die Schuhe nach kurzer Zeit einen recht interessanten Geruch ;)
    Für mich nicht wirklich ein Problem, nachdem die Laufkleidung nach dem Laufen in der Regel sofort in der Waschmaschine bei 40 Grad und wenig Waschmittel landet, kommen die Schuhe einfach mit in die Trommel. Und der Schleudergang passiert nicht mit 1000 Umdrehungen sondern nur mit 400. Bin ich beruflich länger als 3 Tage unterwegs, gehe ich nach dem Laufen mit voller Laufbekleidung (und Schuhen) unter die Dusche, ist auch fein.
  • Pflege der Füße
    Barfußlaufen in Vibrams fördert die Hornhautbildung an den Fußsohlen. Und anders als beim „echten“ Barfußlaufen wetzt sich diese Hornhaut nicht ab – daher ist jede Woche bis alle 14 Tage das Raspeln mit der Hornhautraspel angesagt. Mußte ich bei gepolsterten Laufschuhen nicht machen – stört aber nicht wirklich.
  • Blasen an den Füßen
    Manchmal bekomme ich trotz der langen Zeit, die ich in den Schuhen verbracht habe, trotzdem noch Blasen an den Füßen. Meist nach ungewöhnlichen Belastungen oder wenn ich wieder mal die Speed anziehe.
    Mittlerweile kein Problem mehr für mich – ich – desinfiziere eine Nadel, steche die Blase vorsichtig auf und klebe ein Blasenpflaster drüber
  • Nasse Kälte
    Es gibt eine Wettersituation, die keinen Spaß macht: Temperaturen zwischen -2 und +7 Grad gemeinsam mit Nässe. Nur kalt ist egal, nur nass auch, die Kombination ist unangenehm.
    War aber meiner Erinnerung nach mit normalen Laufschuhen auch nicht lustig…
  • Unangenehmer Schotter
    In den ersten 6-8 Monaten ist das Laufen auf groben Bruchschotter etwas unangenehm. Es sind nicht wirklich Schmerzen, aber wirklich angenehm sind die groben Kanten der Steine nicht.
    Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich das mittlerweile nicht mehr spüre – seit wann kann ich nicht genau sagen
  • Intensive Rückmeldung des Bodens
    Das Laufen in Vibrams erfordert mehr Konzentration, besonders im Wald und auf Wiesen. Ich spüre, dass der Fuß aktiver ist, das das Laufen anspruchsvoller als in gedämpften Schuhen ist.
    Ich kann mich allerdings noch deutlich an einen meiner letzten Crossläufe mit alten gedämpften Schuhen erinnern (muss ca. 12-14 Monate her sein) – das Gefühl war nicht angenehm, sondern enttäuschend – mir hat der Kontakt und die Rückmeldung des Bodens massiv gefehlt.

Viel mehr fällt mir nicht ein. Im Vergleich zu den Highlights recht wenig:

  • Keine Verletzungen/Schmerzen in der Marathonvorbereitung
    Sowohl heuer als auch letztes Jahr habe ich keine Probleme in der Marathonvorbereitung gehabt. Bei den Marathons davor hatte ich immer eine Zeit, wo ich wegen div. Schmerzen nicht trainieren konnte. Und ich habe nach langen schnellen Einheiten – besonders wenn die am Laufband waren – danach meine Knie beim Stiegen steigen deutlich gespürt. Auch das ist vorbei
  • Intensive Rückmeldung beim Laufen
    Ich will nicht esoterisch klingen – aber die direkte Rückmeldung des Untergrunds beim Laufen, die spürbaren Unterschiede zwischen Asphalt, Waldboden, Schotter, Wiesen usw. erhöhen das Glücksgefühl beim Laufen enorm.
  • Weniger Belastung
    Die Vibrams sind wesentlich leichter als gedämpfte Schuhe – spürbar bei langen Läufen…
  • Und es macht einfach Spaß ;)

Ich kann es nur jedem Läufer empfehlen !

Aber Achtung:

Bitte unbedingt die ersten 2 Wochen LANGSAM anfangen. Die ersten 2 Läufe nicht länger als 2-3 km. Und nicht über den Muskelkater wundern ;)

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6 Kommentare

  1. Toller Artikel, danke!

    Die Nachteile kann ich 1:1 bestätigen. Grundsätzlich bin ich mit meinen Vibrams sehr zufrieden, an beiden Schuhe (Lontra + Sprint) sind bei mir allerdings schon Nähte aufgegangen.

    Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Die Blasen kenne ich nur zu gut. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Compeed Blasenpflastern gemacht, die haben mir damals beim Bund schon bewährt. ;)

    Sportliche Grüße,
    Mark

  2. Hi Mark,
    meine Speed sind nach 1 Jahr am Ende – Hauptproblem ist, dass bei der großen Zehe das Innenfutter gerissen ist, was nun beim Laufen reibt – derzeit nutze ich die nur mit Socken.
    Aber nach 3.500 Kilometer Laufleistung ist jeder Schuh hinüber….
    Die Compeed Blasenpflaster habe ich auch ;)

  3. […] Artikel ist erster Nachteil der Zehenschuhe…, gefolgt von Nachteile von Vibrams – hier dürften viele Menschen Berichte über Nachteile von Vibrams […]

  4. Ich könnte als negativen Aspekt ein nicht zu vernachlässigendes Verletzungsrisiko beim Start des laufens anführen:

    Im Bekanntenkreis ist ein Mittelfußknochen nach knapp 10 km gebrochen,

    Ich sitze gerade beim Arzt wegen eines Knochenbruch am innenknöchel.

    Natürlich habe ich die Ratschläge “langsam anfangen“ gelesen, aber auch für einen ersten Lauf der Saison fand ich 4 km bei deutlich unter 10 km/h nicht viel.

    Zumal sich aus allen “langsam starten“-Tipps für mich eher ein Muskelkater das Risiko zu sein schien, und nicht so gravierende Auswirkungen.

    1. Robin,
      danke für deinen Beitrag. Waren die beiden Knochenbrüche durch Steine oder Ähnliches verursacht oder durch Überbeanspruchung ?
      Steine und Ähnliches kann ich mir gut vorstellen, hier muss auch ich beim Laufen ein wenig aufpassen.

      1. Huhu,

        leider kann ich nichts „anstoßendes“ anführen, ebender Boden (aber halt Asfalt) war es bei mir.

        Bei dem Kollegen bunt gemischter lockerer Boden, seiner Beschreibung nach „auf einmal knack, und Fuß durchgesackt vom Gefühl“.

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